Der Schlüssel zum Paradies … ist die Vertreibung daraus

Adam und Eva lebten im Paradies, so wie Gott sie schuf. Sie waren unschuldig. Sie lebten in den Tag hinein wie Kinder. Sie durchliebten die Nächte, auch wie Kinder. Dann biss Eva in den Apfel, der am Baum der Erkenntnis hing. Was folgte war Vertreibung, Schuld, Himmel und Hölle, das ganze Programm – so zumindest erzählt uns das die katholische Kirche.

Man kann diese Geschichte aber auch anders lesen: Was tat Gott mit der Vertreibung des Menschen aus dem Paradies? Er machte ihn einzigartig. Er vertrieb nicht den Wurm, der ein Loch in den Apfel gefressen hatte und auch nicht den Vogel, der ihn angepickt hatte. Nur der Mensch wurde draussen vor die Tür gesetzt. Und was geschah dann?

Draussen vor der Tür blickte der Mensch zurück. Und zum allerersten Mal sah jemand das, was vorher noch nie jemand gesehen hatte: nämlich das Paradies. Zum ersten Mal blickte jemand von aussen auf die Schöpfung. Und in diesem Moment wurde erkannt, was die Schöpfung überhaupt ist – nämlich ein Paradies. Etwas unfassbar, unglaublich, unbegreifbar, unermesslich Schönes, Faszinierendes, Wahres.

Der Walfisch, der durch die Ozeane schwimmt, merkt nicht, dass er im Paradies ist. Für ihn war der Ozean immer schon der Ozean, nicht mehr und nicht weniger. Der Vogel, der durch die Lüfte segelt, realisiert nicht, dass er über ein Paradies hinwegfliegt. Für ihn war die Erde immer schon einfach unten und der Himmel immer schon einfach oben. Erst wenn man von aussen auf die Ozeane schaut, erst wenn man wirklich getrennt von Himmel und Erde ist, erst als Vertriebener kann man das Paradies als Paradies erkennen. Und diese einmalige Perspektive ist nur dem Menschen zuteil geworden.

17.9.2019

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