Wunder suchen, Wunder finden

Wunder suchen, Wunder finden

Weshalb ist Jesus publikumswirksam über das Wasser spaziert? 
Immer fragen, wem so etwas nützt. 
Die katholische Kirche brauchte ein paar gute Verkaufsargumente für die Kirchensteuer und verfügte über eine gute Marketingabteilung.

Weshalb also brauchen wir Wunder? 
Um uns in unserem Glauben zu bestärken, dass es noch etwas Grösseres gibt. Aber jede Kohlmeise ist ein Wunder. 
Auch ganz ohne Glauben sieht man/frau, wie das Wunder tagtäglich sich um einen herum abspielt. Weil das Wunder das Selbstverständlichste der Welt ist.

Wenn man an Wunder glaubt, ist man anfällig für Heilslehren. 
Jede Lehre fokussiert und das heisst: schliesst aus. 
Jede Heilslehre sagt so und so muss es gehen, das und jenes musst du tun, anderes musst du lassen, das ist richtig, jenes ist falsch und bitte zahl deine Abobeiträge. 

Im besten Fall sind die Heilslehren so gut, dass sie dich anleiten, das Wunder jeden Tag und immer zu sehen.
Aber wie die Geschichten der vielen geköpften Heiligen beweisen, ist das nicht immer das Ziel von Heilslehren.

Wenn man das Wunder sieht, ist man plötzlich frei, auch vom Glauben.

19/21

Julia Roberts – inexistent

Julia Roberts – inexistent

Sie stehen im Laden an der Kasse. Vor Ihnen legt eine Frau ihre Einkäufe aufs Band. Die Frau heisst Julia Roberts.

Sie kennen Julia Roberts nicht? Ok, dann ist diese Frau einfach eine Frau, die ihre Einkäufe bezahlen möchte.

Sie kennen Julia Roberts? Sie wissen, dass Julia Roberts eine der berühmtesten Schauspielerinnen Hollywoods ist? Ok, dann schauen Sie genauer hin. Ist sie es wirklich? Ja, sie ist es!

Im ersten Fall existiert Julia Roberts für Sie nicht. Sondern es existiert nur die Frau mit den Einkäufen.

Im andern Fall existiert Julia Roberts sehr wohl – für Sie. Ob etwas existiert oder nicht hängt also einzig und allein von Ihrem Wissen ab. Weil Sie Julia Roberts kennen, sehen Sie Julia Roberts. Wer Julia Roberts nicht kennt, kann sie nicht sehen. Genau so funktioniert Bewusstsein. Was nicht im Bewusstsein ist, existiert nicht. So ist es auch mit der Biodiversität.

Wenn Sie nichts von der Lorbeerweide – der schönsten Weide der Schweiz – wissen, dann werden Sie sie auch nicht sehen, selbst wenn dieser Weidenbaum neben dem Parkplatz steht. Wenn Sie den Bluthänfling  (eine Vogelart) nicht kennen, werden Sie ihn auch nicht sehen, selbst wenn er durch Ihren Garten fliegt. All die Tier- und Pflanzenarten, die Sie nicht kennen, existieren für Sie nicht, Sie nehmen sie gar nicht wahr. Sie sind nicht in Ihrem Bewusstsein. Geschätzte 75‘000 Arten gibt es in der Schweiz, 42’000 davon kennt man. Für Sie und für fast alle anderen Menschen in der Schweiz existieren aber 99,999% dieser Arten nicht, obwohl sie den gleichen Lebensraum mit Ihnen teilen. Das ist einer der Gründe, weshalb wir uns so schwertun mit der Biodiversität.

Nun ist es aber nicht möglich, der ganzen Schweizer Bevölkerung einen Kurs in Artenkenntnis zu verpassen. Die einzige Lösung dieses Problems, die ich sehe, ist, dass wir den Menschen vertrauen, die etwas von Biodiversität verstehen. Genauso wie Sie ihrem Garagisten, ihrem Zahnarzt oder ihrem IT-Spezialisten vertrauen. Diese Biodiversitäts-Fachleute sind wichtig, vielleicht wichtiger als Zahnarzt, Garagist oder IT-Spezialist, weil diese Menschen fundamentale Zusammenhänge unserer Lebensgrundlage verstehen. Wir sollten sie ernster nehmen, als wir das heute tun. Einfach weil unsere Lebensgrundlage wichtiger ist als unser Gebiss, unser Auto oder unser Computer.

Same-Same, but Different

Same-Same, but Different

Vortrag im IK-Team vom 16.9.2020

Fundamental sind wir auf Gleichheit programmiert:
– Vor dem Gesetz sind alle gleich. Menschenrechte!
– Genetisch teilen wir 99% des Erbguts mit allen anderen Menschen. Und 50% mit der Banane.
– Unsere Schulen sind grosse Gleichmacher.
– Wir leben in Bubbles, die aus Gleichen bestehen.
– Konform leben ist easy; Nonkonformismus kann anstrengend sein.
– Mehr denn je ist das Thema „Minderheiten“ ein Thema. Unser ganzes Mindset ist auf Gleichheit programmiert.

DIVERSITY ERKENNEN UND ANERKENNEN „We are all the same, but different.“ Erkennen, dass wir alle gleich sind, bedeutet wahrnehmen, dass wir alle verbunden sind. Anerkennen, dass jeder anders ist, bedeutet annehmen, dass jeder seiner Bestimmung folgen soll. Das Integrale Modell ist nicht nur ein Ordnung schaffendes Modell, sondern auch eines, dass darauf fokussiert, wie divers wir alle sind. Und Ken Wilber selber hat immer betont, dass Translation fast wichtiger ist als Transformation. Wenn wir unser Mindset auf Diversity umprogrammieren, sieht die Welt anders aus.

EXKURS BIODIVERSITÄT – THERE IS A PLAN Wer Biodiversität wahrnimmt und darüber nachdenkt muss zum Schluss kommen, dass es einen Lebensplan gibt. Anders ist diese unendliche Vielfalt nicht zu erklären. Allein in unserem Garten gibt es 20 Baumarten, 20 Straucharten, über 100 Blütenpflanzen, insgesamt über 250 Arten, die mir bekannt sind. Das ist aber nur 1/1000 aller Arten, die in unserem Garten vorkommen, und die alle miteinander kommunizieren. 999/1000 aller Arten in unserem Garten kenne ich nicht. Das Beispiel Kopffüsser: Von denen gab es mindestens 30‘000 Arten (vom Menschen nur 1 Art) und sie haben 350 Millionen Jahre überlebt bis heute. Homo sapiens, der moderne Mensch, ist etwas über 315‘000 Jahre alt. Rezente Pflanzenarten sind zum Beispiel Schachtelhalme, die es vor 375 Millionen Jahren bereits gab. Diversity anerkennen heisst auch bescheiden, ja sogar demütig sein.

ANERKENNE DICH SELBST „Wer bin ich?“, ist eine gute Frage. Bis jetzt haben wir diese Frage spirituell oder psychologisch beantwortet. Die präzisere Frage ist jedoch: Was unterscheidet mich körperlich von anderen? Jeder wirklich relevante Unterschied manifestiert sich körperlich. Auch Bewusstseinsstufen sind körperlich, behaupte ich mal 🙂 Diese meine körperlichen Bedingungen muss ich anerkennen. Beispiel: Krämpfe in kaltem Wasser. Der Schwimmlehrer hat mich als Angsthase abgestempelt. Meine Partnerin konnte auch nicht recht damit umgehen. Aber es ist nun Mal so: Ich kriege Krämpfe, wenn das Wasser unter 14 Grad ist. Mit dieser Bedingtheit muss ich leben. Je früher ich sie anerkenne, umso weniger stört sie.

COMING OUT Erkennen und anerkennen, wer man/frau ist. Dieser Prozess dauert lebenslang. Nicht jeder geht diesen Weg. Beispiel Garten: Wir haben unseren Garten seit 20 Jahren Richtung mehr Biodiversität entwickelt. Dabei ist kein Stein auf dem andern geblieben. Unser Nachbar hat in der gleichen Zeitspanne seinen Garten gegen alle Veränderungen verteidigt. Beides hat seinen Platz im Ganzen. Ich fühle mich als Bewahrer körperlich unwohl. Er fühlt sich als Veränderer unwohl. Beide gehen wir unseren Weg. Resonanz, Vertrauen, Glück, Lust – Verbindung ist nur möglich, wenn frau/man sich zeigt. Wenn ich mich dem Schmetterling nicht als Blume zu erkennen gebe, wird er vorbeifliegen.