Ist das Liebe?

Ist das Liebe?

Wenn du sagst: Meine Liebe ist dieser romantische Teich mit dem klaren Wasser, in dem ich schwimmen und mich von der Sonne verwöhnen lassen kann, dann verkennst du das Wesen der Liebe.
Denn die Liebe, das ist der gewaltige Ozean.

Niemand sagt dem Elefanten, er sei eine Maus.
Und so ist es auch mit der Liebe.
Die Liebe ist gross wie ein Elefant, also sag nicht Maus zu ihr.

Wenn die Liebe nicht dein Herz sprengt, dann ist es nicht Liebe.
Wenn die Liebe dich nicht weit über deine Grenzen hinaus fordert, dann ist es nicht Liebe.
Wenn die Liebe dich nicht leiden und verzweifeln lässt, dann ist es nicht Liebe.
Unterschätze die Liebe nicht, denn sie ist die mächtigste Kraft, die dir in deinem Leben begegnen kann.

Es geht nicht darum, die Frau oder den Mann deines Lebens zu finden.
Es geht darum die Liebe zu finden.
Das kann auch die Liebe zum Malen sein, wie bei Vincent van Gogh.
Es kann die Liebe zum Kochen sein, wie bei Stefan Wiesner, dem Hexer aus dem Entlebuch.
Es kann die Liebe zu Hunden oder zu Pferden sein.
Oder die Liebe zum Parfüm wie bei Patrick Süskind.
Es ist deine Bestimmung.
Wenn du die gefunden hast, bist du in der Liebe, unendlich kraftvoll, bedingungslos kreativ. Dann bist du angekommen und zuhause bei dir.

Also finde deine Bestimmung, dann findest du auch diese bedingungslose Liebe.
Aber glaube nicht, dass du sofort Anerkennung und Wertschätzung erntest, wenn du deine Bestimmung dann ausübst. Das Gegenteil wird der Fall sein. Deine Freunde werden dich für verrückt halten. Sie werden sagen, dass das, was du aus dieser bedingungslosen Liebe heraus tust, ungesund, vielleicht sogar wahnsinnig sei. Dann befrage dein Herz, ob du auf dem richtigen Weg bist, dann suche Vertraute und höre ihnen zu und prüfe, was sie sagen. Sei kritisch dir selbst und deinem Lieben gegenüber. Sei kritisch anderen gegenüber die über die Liebe reden, auch wenn sie als weise Männer oder Frauen gelten.
Die weisen Frauen und Männer werden dir vielleicht sagen, dass du dich abhängig machst von dieser Liebe – prüfe, ob du abhängig bist oder in Freiheit, und wundere dich nicht, wenn du beides gleichzeitig bist.
Die weisen Frauen und Männer werden dir vielleicht sagen, dass das alles nur Projektionen deiner armen verlorenen Seele sind – schaue genauer hin und entscheide selbst, ob du dir diese liebevollere Welt einfach nur herbeiwünscht oder ob du sie wirklich wirklich vor dir siehst.
Und die weisen Männer und Frauen werden vielleicht sagen, dass du den geliebten Menschen überhöhst – prüfe auch das und frage dich, ob nicht jeder Mensch das Wunder ist, das du in dem geliebten Menschen vor dir siehst.

Wenn du dich aber hinterfragt hast und dieses bedingungslose Lieben immer noch in dir lodert und zur Welt gebracht werden möchte, dann folge dieser Liebe und tue, was du tun musst. Nichts anderes als das wird dich glücklich machen. Erst wenn du dieser bedingungslosen Liebe folgst, wirst du ganz werden. Und wenn du ganz wirst, dann wirst du zu strahlen beginnen. Und wenn du strahlst, dann werden andere Menschen das auch sehen – und nicht nur Menschen. Auch die Natur und das Leben selbst wird dieses Strahlen sehen und darauf antworten. Und dann endlich findest du die Kraft und den Frieden, um unangefochten zu vollenden, wofür du hierhergekommen bist.

Bewusste Verbundenheit: Eine Reise auf der Straße des Seins

Bewusste Verbundenheit: Eine Reise auf der Straße des Seins

Ich fahre eine Strasse entlang. Ich halte das Steuer in der Hand.
Das Autodach schützt mich vor Regen, die Blechwände um mich herum geben mir Sicherheit. Der Boden unter mir ist fest und solide.
Ich sehe, wie die Welt auf mich zukommt.
Die Bäume, der Asphalt, der Fahrtwind kommen mir entgegen.
Und dann, von einem Augenblick auf den andern,
ändert sich meine Perspektive:

Die Welt geht jetzt durch mich hindurch.
Die Bäume, der Asphalt, der Fahrtwind gehen durch mich hindurch.
Dach, Blechwände, Boden sind weg. Irgendein Autopilot steuert, auf jeden Fall nicht ich.
Das Mich, durch das alles hindurch geht, ist kein Ich mehr.
Ich bin Baum, Asphalt, Fahrtwind ohne Ich. Ich hat sich aufgelöst.
Alles ist mit allem zutiefst verbunden. Dieses Gefühl ist nicht in mir, sondern allgegenwärtig überall.

Und dann, im nächsten Augenblick,  bin ich wieder am Steuer,
und das ist auch gut so… Ich fahre immer noch und frage mich:
Hat sich jetzt etwas geändert?
Ich hatte offenbar soeben eine tiefes Verbundenheitserlebnis, aber ist jetzt etwas anders? Ich fahre auf der gleichen Strassemit der gleichen Geschwindigkeit. Die Welt kommt mir genauso entgegen wie vorher.
Der Baum ist noch immer mit der Erde verwurzelt und ragt in den Himmel. Der Asphalt ist immer noch Jahrmillionen alter Stein, der jetzt gerade als Asphalt daherkommt . Und der Fahrtwind bläst mir noch immer ins Gesicht.
Nichts hat sich verändert für sie. Sie waren und sind immer eingebettet in diese tiefe Verbundenheit.  Einzigartig und in der Einheit.
Für Baum, Asphalt und Fahrtwind war ich immer der, der ich bin, ungetrennt und verbunden mit ihnen und allem.

Und für mich?  Hat sich für mich etwas geändert?
Was ist in diesen paar Augenblicken für mich geschehen?
Ein Tor ist kurz aufgegangen.
Eine Wand, die nur ich sehe, ist weggebrochen.
Für ein paar Augenblicke war ich nicht mehr getrennt von allem andern.
Für ein paar Augenblicke war ich verbunden mit der Wirklichkeit ausserhalb meiner Fahrbahn. 
Und ich realisiere jetzt, dass dieses Tor nicht aufgegangen ist, sondern eigentlich schon immer offen stand. Es ist ein torloses Tor, wie die Zen-Leute sagen. Und es hat mich kurz über seine Schwelle gezogen. Dieses Hinübergezogen-Werden kann ich nicht machen, es ist ein Geschenk, eine Gnade vielleicht.
Aber ich realisiere jetzt, dass diese Wand, die mich trennt, meine Illusion ist. Aus dieser Illusion der Getrenntheit bin ich aufgewacht. 
Hinter diese Erfahrung kann ich nicht zurück.

Doch jetzt halte ich wieder das Steuer in der Hand, ich bremse, ich beschleunige, ich höre Musik, ich fühle mich sicher mit den verbliebenen Wänden um mich herum und dem Dach überm Kopf.

Für den Baum hat sich nichts geändert. Und auch nicht für die Asphaltfahrbahn, die schon immer durch dieses torlose Tor führte, genauso wie der Fahrtwind schon immer da hindurchblies.
Vielleicht spüren sie, dass für mich diese eine Wand weggebrochen ist, weil alle mitfühlenden Wesen es spüren, wenn sie einem offenen Herzen begegnen.
Ich spüre es und ich weiss jetzt: Ich bin  der Weg.