Lebendigkeit statt Glück

Ich werde diesen Text mit der Feststellung beenden, dass wir dem Leben vertrauen können. «Alles ist gut.», werden meine drei Schlussworte sein. «Aber ist es das? Meine ich das wirklich ernst?»

Weltpolitisch erleben wir gerade ein Erdbeben der Stärke 8 auf der nach oben offenen Richterskala. China dirigiert mit seiner neuen Seidenstrasse rund 60% der Weltbevölkerung und 35% des Welthandels. Russland besetzt die Krim, marschiert in der Ostukraine ein, beherrscht Belarus und möchte die baltischen Staaten besetzen. Die USA wollen Grönland übernehmen, beginnen einen Wirtschaftskrieg mit Kanada, Mexiko und Europa, deportieren die Menschen aus Gaza und «Illegale» aus den USA und berauben so Millionen von Menschen ihres Zuhauses.

Aus Sicht der Ökologie ist gerade das zweitgrösste Artensterben in der Geschichte unseres Planeten in Gang. Parallel dazu überschreitet die Erderwärmung kritische Werte, was zu Dürren, Bränden, Überschwemmungen und demzufolge zu Hungersnöten, Massenmigration und dem Absterben ganzer Lebensräume zu Land und zu Wasser führt. 

Gesellschaftlich regredieren grosse Teile der Weltbevölkerung und ziehen sich auf ethnozentrische Bewusstseinsstrukturen zurück. Egal ob im hinduistisch-nationalistisch regierten Indien oder im libertären Argentinien, in dem die Kettensäge zum Regierungsmodell erhoben wird; egal ob in Ungarn, wo es keine Gewaltentrennung mehr gibt, oder in Venezuela, wo eine linke Diktatur die Macht übernommen hat – überall stehen Menschen mit einem holistischen, integralen oder grünen Bewusstsein mit dem Rücken zum Abgrund. 

Die Silberstreifen am Horizont sind verschwunden. Die Hoffnung auf eine fairere Welt, in der Einzigartigkeit und Verschiedenheit wertgeschätzt werden, hat sich aufgelöst. Für Menschen wie mich fühlt sich die aktuelle Bewegung der Menschheit an wie ein Rückfall ins Mittelalter. Und da stellt sich die Frage. können spirituelle Erfahrungen in dieser Situation weiterhelfen?

Die Kraft bedingungsloser Liebe

Ich habe schon verschiedenartige, mystische Erfahrungen gemacht, in japanischen Klöstern, in Meditationsretreats oder ganz einfach im Wald oder auf einer Bergtour. Aber vor drei Jahren war ich mit einem Freund im Engadin am Inn und erlebte etwas, das mich tief bewegt hat. Das möchte ich mit euch teilen:

«Ich stehe mit beiden Füssen fest und sicher in einem Schneefeld neben dem Fluss. Dann bemerke ich, wie alles ins Fliessen kommt. Das Wasser fliesst, von hier bis in die Donau und dann ins Schwarze Meer – alles ist miteinander verbunden, denke ich. Und plötzlich kommen auch die Strahlen der Sonne ins Fliessen, sind nicht mehr wie scharfe, gerade Strahlen, sondern wie Wellen, die sich über diese Landschaft und mich ergiessen. Auch der Himmel beginnt aus dem Oben ins Unten zu fliessen, die Luft strömt in den Fluss. Und auch der Schnee ist plötzlich nicht mehr so fest, sondern wird weich und wellig und schliesst sich dem Strom an, der an mir vorbeizieht.

Als nächstes löst sich mein Körper auf und kommt ebenfalls ins Fliessen. Die Grenzen zwischen Körper und Schneewelt werden durchlässig. Was noch vor einem Augenblick ich selbst war, verschwindet und fliesst mit. Alles ist nur noch Strom. Alles fliesst jetzt.

Und plötzlich wird mir glasklar, dass alles zusammenhängt. Und plötzlich ist klar, wie alles zusammenhängt, wie das alles miteinander verbunden ist. Ich staune: Das Eine, das alles verbindet ist Liebe. Das spüre ich klar und deutlich. Liebe, die in unendlicher Kraft alles verbindet und es weiterfliessen lässt. Diese Liebe steckt in jeder Welle, in jedem Strahl, in jeder Zelle. Für mich ist das in diesem Moment vollkommen einleuchtend und unzweifelhaft. Es ist Liebe, die alles lenkt und es zugleich in vollkommener Freiheit lässt.

Diese Liebe hat eine so grosse Wucht, dass es mir den Atem verschlägt. Ich wanke einen Moment. Dass ich wanke, spüre ich nicht. Ich spüre mich überhaupt nicht mehr. Ich bin als Ego im Fliessen verschwunden. Aber es ist völlig unzweifelhaft, dass diese Liebe unendlich mächtig und kraftvoll ist. Stärker als tausend Sonnen. Millionen Mal grösser als alles, was der Mensch je geschaffen hat. Unfassbar kreativ und fantasievoll in jedem Augenblick. Sie hält die ganze Welt am Laufen, sie steuert alle Entwicklungen, sie hält auch den Kosmos und das alles geschieht ohne Mühe, ohne die geringste Anstrengung, spielerisch als wäre es ein Leichtes. All das sickert durch mich hindurch, innert Sekunden, oder sind es Stunden oder Ewigkeiten – unerheblich.»

Das war meine Erfahrung am Inn; zutiefste Verbundenheit, bedingungslose Liebe und ein vollkommenes Auflösen des Egos. Ich habe jetzt drei Jahre gebraucht, um diese Erfahrung zu verdauen und zu integrieren und spreche erst seit kurzem öffentlich darüber, weil ich glaube, dass diese Erfahrung helfen kann, mit dem was gerade in der Welt geschieht in Frieden zu kommen.

After the ecstasy the laundry

Diese tiefe Erfahrung stellte alles auf den Kopf, was ich von der Wirklichkeit zu wissen glaubte. Sie zu integrieren bedeutete Arbeit. Und ich bin einem halben Dutzend Menschen sehr dankbar, die mir auf diesem Weg geholfen haben. Alleine hätte ich es nicht gekonnt.

Jetzt, drei Jahre später kann ich ein paar Schlussfolgerungen ziehen aufgrund dieser und weiterer Erfahrungen, die folgten.

  1. Solche Erfahrungen lassen sich nicht machen. Sie sind ein Geschenk. Sie kommen zu einem, wenn man die eigenen Grenzen überschreitet, oft in existenziellen Krisensituationen, in denen man alles loslassen muss; zum Beispiel, wenn ein liebgewonnener Mensch oder ein eigenes Kind stirbt, oder bei einer Trennung nach einer intensiven Liebesbeziehung, oder bei einem Unfall oder einer Nahtoderfahrung.
  2. Es hilft, wenn während und nach einer solchen Erfahrung eine vertrauensvolle Verbindung zu einem anderen Menschen besteht. In dieser Verbindung einen ersten Halt zu finden ist ungeheuer wertvoll. Und auch später braucht es eine Gemeinschaft, in der solche Erfahrungen gehalten werden. Einer allein ist damit überfordert.
  3. Meist gibt es nach einer solchen tiefgreifenden Erfahrung kein Zurück mehr. Die Erfahrung ist dermassen überzeugend, wirklicher als alles Wirkliche, dass sie sich weder verleugnen noch diskutieren lässt. Anders gesagt: Das nun offene Herz schliesst sich nicht mehr; es bleibt offen, es bleibt durchlässig und ist zutiefst berührbar.

Ich möchte aber auch ein paar Missverständnisse ausräumen hier:

  1. Bedingungslose, universelle Liebe zu erfahren, bedeutet nicht, fortan in einer Liebeswolke zu schweben. Ich habe die Liebe als unendlich mächtige Kraft erfahren. Diese Kraft verursacht die gesamte Fülle der Schöpfung; zu ihr gehört aber ebenso die ungeheure Wucht der Zerstörung. Innigkeit mit einem anderen Menschen gehört ebenso zu dieser Liebe, wie Zurückweisung und tiefe Verletztheit. Tod gehört zum Wesen dieser Liebe ebenso wie überbordende Lebendigkeit. Diese Art Liebe sagt: Umarme den Schmerz ebenso wie du die Freude umarmst. Sie sagt: Gib dich dem Leben ganz hin, der Trauer, der Lust, deiner Einzigartigkeit, deiner Verschiedenheit. Diese Liebe ist das grosse JA zum Leben – und zum Sterben. Sie ist in ihrer Konsequenz ein JA zu Mahatma Ghandi, und ein JA zu Trump. Diese paar wenigen Sätze machen vielleicht klar, mit welchen Herausforderungen man es zu tun kriegt nach solch einer Erfahrung. Und das bringt mich zu einem zweiten Punkt.
  2. Unsere Institutsleiterin und Zen-Meisterin Anna Gamma schreibt: «Das Geschenk des klaren, weiten Geistes ist die Öffnung des Herzens. Und Mitgefühl ist gelebter, wacher, weiter Geist. Wer mitfühlende Präsenz lebt, öffnet und hält liebevoll den nicht wertenden Raum, damit die Leidenden den Schmerz selbst fühlen können. In der liebevollen Gegenwart eines anderen Menschen wird es einfacher, durch den Schmerz hindurchzugehen. Dies ist der Preis, damit die Verletzung heilen kann.» Über dieses Mitgefühl wird in der Achtsamkeitsliteratur viel geschrieben. Und Anna Gamma und andere Lehrer*innen können diese Präsenz tatsächlich oftmals in ihren Kursen manifestieren. Ich selber mache jedoch oft die Erfahrung, dass mitfühlen auch mitleiden (und mitfreuen) bedeutet. Wenn mein Gegenüber in den eigenen Schmerz eintaucht, dann fühle ich diesen Schmerz ebenfalls; ich gehe dann in Resonanz, aber ohne meinen Boden unter den Füssen zu verlieren. Ich kann dann zwar den Raum halten und diesem Schmerz Raum geben, aber ich spüre ihn ebenso, er tut auch meinem Herzen weh und die Tränen dazu rollen auch über meine Wangen. Ich bin dann nicht der Therapeut, der von aussen auf das Leiden blickt, sondern der Mitmensch, der die Emotion teilt, mitfühlt und mitgeht, weil geteiltes Leid halbes Leid ist – und geteilte Freude doppelte Freude. Oder wie C.G.Jung einmal bemerkte: «Know all the theories, master all the techniques, but as you touch a human soul, be just another human soul.»
  3. Solche Erfahrungen können einsam machen und sind eigentlich zu gross für einen einzelnen Menschen. Über Jahrtausende hinweg wurden diese Erfahrungen in den grossen Weisheitstraditionen hinter klösterlichen Mauern versteckt oder in Höhlen oder auf heiligen Bergen gehütet. Sie waren nur wenigen zugänglich. Nach meiner Wahrnehmung ändert sich das gerade. Es ändert sich, weil wir in einer Zeit der grossen Transformation leben. Mehr und mehr Menschen öffnen sich diesem Mysterium gegenüber. Das Netz ist inzwischen voll von solchen Zeugnissen. Mit scheint es wichtig, dass solche tiefen Erfahrungen in einer Gemeinschaft gehalten und gehütet und auch weiterentwickelt werden. Nur so können sie in unsere «normale» Wirklichkeit hineinwirken. Und genau darum geht es. Ich bin überzeugt, dass uns heute das Leben oder das Universum oder Gott mit solchen Erfahrungen beschenkt, damit wir den anstehenden Umbruch im Sinn des Lebens mitgestalten. Der bekannte Vipassana-Meister Jack Kornfield hat einmal formuliert: «After the ecstasy the laundry.» Meiner Ansicht nach gibt es noch nie so viel Wäsche zu waschen wie heute.

Lebendigkeit statt Glück

Damit möchte ich etwas deutlich machen, das ich eher selten höre oder lese: So überwältigend, so erfüllend und so klar diese Erfahrung auch ist, sie ist kein Garant für Glück. Glück ist in unserer westlichen Gesellschaft eines der höchsten Güter und wird meist verbunden mit Wohlstand, Sicherheit, Gesundheit und einer erfüllenden Beziehung. Es gibt auch viele Menschen, die meditieren, um zu innerer Ruhe, zu Gelassenheit und schlussendlich auch zum Glück zu finden. Das funktioniert durchaus. Bis zu dem Moment, wo einem bedingungslose Liebe und ultimative Verbundenheit vor die Füsse geworfen wird. Dann ist es erstmal vorbei mit innerer Ruhe und Gelassenheit.

Glück als erstrebenswertes Gefühl, stellt sich dann plötzlich gar nicht mehr als so erstrebenswert dar, weil Glück eben nur die eine Seite der Medaille umfasst. Meine persönliche Schlussfolgerung daraus ist, dass es mehr um Lebendigkeit geht als um Glück. Andere nennen diese Lebendigkeit «Präsenz». Es geht mehr darum das ganze Leben zu umarmen, mit all seinen Schatten, Blitzen, Sonnenaufgängen, Gewittern und Wolkenbrüchen. Und das Tag für Tag, Stunde um Stunde, Augenblick für Augenblick. Das kann durchaus heftig sein. «Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, weisst aber nicht, woher er kommt und wohin er geht», heisst es in der Bibel (Johannes 3, 1-12). Lebendig sein heisst, sich dem Leben hingeben, offen sein für alles, was da auftaucht – und gleichzeitig handlungsfähig bleiben und tun, was sich gerade stimmig anfühlt. Ich tue mich enorm schwer damit. Auch weil ich ein Leben lang Projekte verfolgte, Konzepte entwarf, Pläne umsetzte und wusste, was ich erreichen wollte. Dieses Zielstrebige, Leistende ist nicht weg, aber es steht in einem vollkommen neuen Zusammenhang. Es dient nicht mehr meinem Ego oder dem, was ich früher für die Rettung der Welt hielt, sondern es steht in den Diensten des Ganzen. Das Ganze ist die immerwährende Entwicklung von Allem in Liebe und Verbundenheit, aber was das jetzt konkret hier und jetzt für mich heisst, das gilt es herauszufinden, da versuche ich reinzuspüren, um den nächsten Schritt zu machen und dann wieder den nächsten und so weiter und so fort.

Und auch hier kommt wieder die tiefe Überzeugung ins Spiel, die mir sagt: das kann ich nicht allein! Dafür brauche ich Weggefährt*innen, die mit mir Schritt für Schritt gehen, die mir anzeigen, wenn ich vom Weg abkomme, denen ich nicht blind, aber zutiefst vertraue und die ebenfalls auf diesem Feld von unendlicher Lebendigkeit unterwegs sind, die dort ebenfalls ihre eigenen Erfahrungen machen, lichte wie auch dunkle, und sie mir anvertrauen, so wie ich ihnen die meinen ans Herz lege. Die drei wichtigsten Eigenschaften, die solche Weggefährt*innen mitbringen müssen sind, dass sie erstens mit dem Herzen schauen, dass sie zweitens dranbleiben, egal wie abstrus, herausfordernd, ver-rückt, wundervoll, intim und intensiv das wird, und dass sie drittens mutig sind, weil wir uns einander zumuten müssen, so wie wir sind, nackt, in unserer ganzen Unvollkommenheit und Menschlichkeit.

Ein Geschmack des Non-Dualen

Diese Zumutung geht sehr weit. Der Zen-Meister Bernard Glassmann, mit dem ich durch japanische Klöster gereist bin, soll einmal vor den Toren von Auschwitz gesagt haben: «Wenn ihr nicht versteht, dass ihr selbst Auschwitz seid, dann habt ihr noch wenig Ahnung, was Leben heisst.» Dieser Satz ist für jeden und jede von uns sehr schwer zu schlucken. Ich sage manchmal zu meinen Weggefährten eine etwas leichter verdauliche Version: «Mein Leben ist auch dein Leben.» Schon das ist schwer zu schlucken. Aber so ist es.

Im Zen reden wir von der Illusion des Getrennt-Seins. Und damit meinen wir, dass wir eben nicht getrennt von allem andern sind, sondern immer und ewig zutiefst mit allem verbunden. Gegen diese Tatsache wehrt sich unser Ego mit allem, was es aufbieten kann. Unsere ganze westliche Kultur des Individualismus lebt das pure Gegenteil von Verbundenheit. Öffentlich zu behaupten, dass wir da alle einer kollektiven Illusion verfallen sind, braucht viel Mut. Aber noch viel mehr Mut und Lebenskunst braucht es, um diese Verbundenheit in den Alltag zu bringen.

Mit Lebenskunst meine ich hier, dass ich es als eine Kunst betrachte, diese Verbundenheit in unserem Arbeits- und Beziehungsalltag zu manifestieren. Über «Lösungen» und mögliche Wege werden wir uns am Nachmittag noch unterhalten. Es gibt sie, aber sie sind im wahrsten Sinne des Wortes heute noch aussergewöhnlich.

Sie stammen aus einem Bewusstsein, das man als non-dual bezeichnet. 

Ich hatte dazu einmal einen Traum von einem Meditations-Retreat, in dem ein alter amerikanischer Lehrer zu uns sagte: «When I give you a hand, you give me my hand. When I swim in the ocean. You swim in the ocean. When I live, you live. When I die, you die. There is no I. There is no you. Not two. Only one.» 

Das war so schön, dass ich im Traum weinen musste. 

Vertrauen ins Leben

Zum Schluss noch etwas Biologie. Ich bin Naturwissenschaftler und habe Biologie studiert, zusammen mit etwas Philosophie und Psychologie. Als Biologe weiss ich, dass das Leben auf unserer Erde rund vier Milliarden Jahre alt ist. Das bedeutet, dass wenn Sie jetzt ihren Zeigefinger krümmen, dann steckt in dieser einen kleinen Bewegung eine Evolutionsgeschichte von vier Milliarden Jahren. So lange hat das Leben gebraucht, um einen sich krümmenden, menschlichen Finger hervorzubringen. Aber es hat ja noch viel mehr hervorgebracht. Wir gehen heute davon aus, dass es ungefähr 15 Millionen Arten gibt auf der Erde. Nur rund zehn Prozent sind bisher wissenschaftlich beschrieben. 15 Millionen Arten! Ist das nicht unfassbar schön und vielfältig? Das ist die Schöpfung! Mit all diesen Arten sind wir verbunden. Diese Schöpfung hat Eiszeiten überlebt und Meteoriteneinschläge. Sie hat sich kontinuierlich weiterentwickelt und ausdifferenziert. Aus Einzellern sind Vielzeller geworden. Die Pflanzen und ihre Fähigkeit zur Photosynthese haben erst den Sauerstoff geschaffen, der tierisches Leben möglich machte. Es ist ein einziger, riesiger Tanz von Lebendigkeit!!

Wenn ich diese Fülle als Biologe wahrnehme, dann komme ich nicht umhin festzustellen, dass wir dem Leben vertrauen können. Das Leben macht seinen Job gut, besser als wir es uns je hätten wünschen können, und dies seit vier Milliarden Jahren. 4’000’000’000 Jahre sind eine unvorstellbare Zeitspanne. Um das durchzuhalten, braucht es tatsächliche so etwas wie universelle Liebe. Und so kommen wir von den Naturwissenschaften wieder zur Mystik. Beide kommen eigentlich zum selben Schluss: Wir können diesem Leben vertrauen. Das Leben hat immer recht, es macht Sinn und schafft Sinn. Es hat diese Lebendigkeit geschaffen, die wir nur immer wieder bestaunen und feiern können. Deshalb schliesse ich mit den drei Worten, die ich am Anfang bereits gesagt habe: «Alles ist gut.» 

Das bedeutet nicht, dass wir uns zurücklehnen und Trump applaudieren sollen. Es bedeutet nicht, dass wir Kriege gutheissen und Hungersnöte fördern sollen. Und es bedeutet auch nicht, dass wir das weltweite Artensterben hinnehmen und nichts dagegen tun sollen. Die weltpolitischen Verwerfungen, die ökologischen Katastrophen und die gesellschaftlichen Rückschritte gilt es wahrzunehmen und es ist absolut notwendig und wichtig dagegen anzutreten, aber nicht als Weltenretter, sondern im Vertrauen, das alles gut ist und Sinn macht. Das ist eine Kunst, die wir gerade erst am Erlernen sind. Aber diese Kunst wird über unser Schicksal entscheiden, davon bin ich überzeugt. Und es wird eine Kunst sein, die wir nur gemeinsam entfalten können, auch davon bin ich überzeugt. Packen wir es an, alles ist gut!

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